Irgendwie schaffe ich den Stammplatz an den Tasten meiner Bands immer über den Weg des Ersatzmannes. Ein wichtiges Konzert steht an, der Keyboarder ist verhindert und wie auch immer komme ich dann in‘s Spiel.
So war es auch Ende 2023, als bei den Tiny Trousers der Stuhl hinter den Tasten kurzfristig frei wurde. Das Quintett wurde einige Monate zuvor von meinem Clap-Bandkollegen Heiko Sauter ins Leben gerufen. Drummer Micha Haase kannte ich schon seit den 1990ern als Gastmusiker von They Clap. Bassmann Patrick Schopferer war mir ebenfalls nicht unbekannt und einen Live-Gig der Trousers hatte ich auch schon genossen. Ich wusste daher ziemlich genau, was auf mich zukommt und hatte auch schlichtweg Bock darauf. Mit einer Mischung aus Coversongs und Heiko’s Kompositionen, gespielt mit „reduziertem Besteck“ hob sich die Band erfrischend von den vielen Coverbands ab, die das Land bevölkern – zumal ich bezüglich Covern als Clap-Keyboarder bereits gut versorgt war. Reduziertes Besteck heißt: Viel Akustik-Gitarre, ein Percussion-Set, Bass, Keys und ein paar Gesänge. Fertig. Da kann man sich auch ohne viel Technik und Gequietsche überall austoben und hat ein sehr differenziertes und transparentes Soundbild.
Schon wenige Wochen danach bekam ich den Impuls zu einem kompletten Songwriter-Projekt. Gemeinsam mit meinem Sohn besuchte ich das Technikmuseum in Sinsheim und. Im riesigen Kino des Museums wurde eine 3D-Dokumentation über das Hubble-Teleskop gezeigt – mit atemberaubenden Bildern aus den Weiten des Weltalls. Fast zeitgleich eskalierte der Konflikt im Nahen Osten, der Krieg in der Ukraine forderte bereits damals das Leben und die Gesundheit zu vieler Menschen und die extremen politischen Tendenzen hierzulande wurden mehr und mehr sichtbar. Mich bewegt und schmerzt der Kontrast zwischen der Schönheit unseres Universums, der Einzigartigkeit unserer Erde und den Zerstörungen und dem Leid, welche sich die Menschen tagtäglich zufügen. Diese Emotionen wollte ich musikalisch verarbeiten, wozu aber ein einziger Song nicht ausreicht. An diesem Tag wurde eine Idee geboren: Wir schreiben ein Konzeptalbum.
Mein erstes Konzert mit den Trousers am 7. Oktober 2023 in der Riegeler Kultstätte „Kumedi“ lief ausgezeichnet und ich hatte ziemlichen Spaß dabei, zumal auch die Bandchemie recht angenehm war und ist. Einige Tage später später wurde mir der Stuhl hinter den Tasten hochoffiziell angeboten, den ich gerne annahm. Meine Zusage hatte ich deutlich mit der Maßgabe verknüpft, dass ich meine eigene Handschrift vor allem in Form meiner eigener Songs mit in die Band einbringen möchte. Obwohl ich seit 1997 unzählige Konzerte mit Heiko gespielt hatte, kam es bisher nie dazu, dass wir Songs gemeinsam geschrieben oder entwickelt haben.
Schon wenige Wochen danach bekam ich den Impuls zu einem kompletten Songwriter-Projekt. Gemeinsam mit meinem Sohn besuchte ich das Technikmuseum in Sinsheim und. Im riesigen Kino des Museums wurde eine 3D-Dokumentation über das Hubble-Teleskop gezeigt – mit atemberaubenden Bildern aus den Weiten des Weltalls. Fast zeitgleich eskalierte der Konflikt im Nahen Osten, der Krieg in der Ukraine forderte bereits damals das Leben und die Gesundheit zu vieler Menschen und die extremen politischen Tendenzen hierzulande wurden mehr und mehr sichtbar. Mich bewegt und schmerzt der Kontrast zwischen der Schönheit unseres Universums, der Einzigartigkeit unserer Erde und den Zerstörungen und dem Leid, welche sich die Menschen tagtäglich zufügen. Diese Emotionen wollte ich musikalisch verarbeiten, wozu aber ein einziger Song nicht ausreicht. An diesem Tag wurde eine Idee geboren: Wir schreiben ein Konzeptalbum.
Das Konzept selbst war noch weitgehend in Wolken gehüllt. Bei einem Punkt war ich jedoch völlig im Reinen mit mir: Das wird ein deutsches Album. Wir können unmöglich politische und gesellschaftliche Themen in eine Fremdsprache verpacken. Zudem war mir klar, dass ich dem Ganzen auch ironische und satirische Elemente verpassen möchte. Das funktioniert definitiv nur in Muttersprache.
In den folgenden Wochen begann ich damit, im Fundus meiner Ideensammlung zu kramen, die ich im Laufe der Jahre auf Festplatte aber tatsächlich auch noch auf Kompaktkassette gespeichert hatte. Eine weitere Quelle waren die Alben und Songs von Heiko, die ich mir ebenfalls einverleibte. Das war schon mal eine gute Basis für fünf bis acht richtig guter Songs, denen nur noch ein neuer Text verpasst werden musste. Zudem gab es einige Songfragmente, die mir seit Monaten über die Finger glitten und mit der neuen Perspektive quasi über Nacht eine endgültige Form und einen Text bekamen. Auf diese Weise entstand unter anderem der Song „Vielleicht“, den ich Ende 2023 in eine herbstliche Probe mitnahm und damit dem Rest der Gruppe meine Idee für ein Konzeptalbum eröffnete. Diese fand im wahrsten Sinne des Wortes Anklang und damit waren die folgenden Monate geprägt vom Arrangieren mitgebrachter Ideen (Vielleicht, Gestrandet), dem Recycling älterer Song von Heiko (Wo Liebe Wahrheit ist) und von mir (Still) und nicht zuletzt Musik, die spontan beim Jammen im Proberaum entstand (Lebenszeichen).
Damit sich die Prophezeiung auch tatsächlich erfüllt, habe ich die Reihenfolge und die Titel der zum Großteil noch nicht geschriebenen Songs auf den Flipchart im Proberaum aufgeklebt. Micha erklärte mir, dass es sich dabei um eine „Manifestation“ handelt. Aha! Mittlerweile hatte ich auch einen Titel für unser Album gefunden: „Sonne Mond und Erde“.
Für mich persönlich lag eine wunderbare Zeit vor uns. Es hat einen gewissen „Zauber“, wenn Musik neu entsteht und reift. Unser Proberaum wurde nicht selten zum „Hier und Jetzt“ und der Alltag musste an diesen Abenden tatsächlich draußen warten. Micha, Heiko und ich teilen uns die Leidenschaft für Bands wie Genesis, Pink Floyd, King Crimson oder Coldplay. Kein Wunder, dass diese zum Teil hörbare Einflüsse auf unser Werk haben. „Still“ war zu seiner Entstehung 2010 noch eine reine Pianonummer, im Fahrtwind von „Sonne Mond und Erde“ entwickelte es sich mehr und mehr zu einer Hommage an Pink Floyds „Us and Them“. „Gestrandet“ trägt den Geist der frühen Genesis der Gabriel-Jahre in sich. Und in der Instrumental-Nummer „Lebenszeichen“ gibt es ein Treffen zwischen Tony Banks, Rick Wright und Robert Fripp. Letzterer – u.a. Gitarrist von King Crimson – hatte vor einigen Jahren unseren Heiko unterrichtet. Wie sehr das Projekt unsere Motivation anschub zeigte sich in einer Probe irgendwann Anfang 2024, als Heiko plötzlich mit einer Doppelhals-Ovation im Proberaum stand. Damit war auch unser Genre manifestiert: „Acoustic Prog“.
Es sollte knappe zwei Jahre dauern, bis wir „Sonne Mund und Erde“ erstmals vor Publikum spielen sollten. Zuvor bekamen wir aber noch Zuwachs. Bis Anfang 2025 wurden die Heiko-Songs von Heiko und die Frosch-Songs von Frosch gesungen. Klingt in meinem Fall mal gut, mal schlecht. Spielen und dazu Singen hatte ich nie trainiert und ist bei der Komplexität einiger Songs zudem äußerst schwierig. Mit Dennis Götz haben wir uns einen alten Bekannten von Patrick und Heiko in die Band geholt, der explizit die Songs von SME singen sollte. Für mich bestand dabei die Herausforderung, meine Songs loszulassen. Meine Texte haben einen gewissen subtilen Humor, den man verstehen muss, um ihn glaubhaft zu transportieren. Dennis schafft das problemlos! … und ist damit für die Band und das Projekt ein unglaublicher Glücksgriff.
Am 24. Oktober 2025 brachten wir die Premiere von SME auf die Bühne der Kumedi in Riegel. Der optimale Ort. Wir kannten die Lokalität, wir bekamen alle Zeit für einen ausgedehnten Soundcheck und konnten auf ein loyales Publikum zählen. Eine Woche zuvor haben wir die Songs erstmals in der geplanten Reihenfolge gespielt und dem ein oder anderen Trouser wurde endlich klar, wie sich das Gesamtwerk anfühlt.
Der Abend war tatsächlich magisch. Nachdem wir uns mit einigen Coversongs warm gespielt hatten, gab es nach einer kurzen Pause die 16 Songs von Sonne Mond und Erde. Ohne Unterbrechung. Wir waren unglaublich gut aufeinander eingeschwungen und haben trotz weniger kleiner Problemchen eine nahezu optimale Premiere abgeliefert. Der Dank waren minutenlange stehende Ovationen. Ein großes Geschenk, weil wir von einem bis dato völlig unbekannten Werk sprechen. Auch zwischen den Songs gab es spontanen Applaus, der für die ein oder andere Singleauskopplung spricht.
Glücklicherweise haben wir von dieser Premiere eine professionelle Videoaufnahme und einen Mittschnitt vom Mischpult 🙂
Die Wiederholung im März 2026 in Kino Maja in Emmendingen war nicht weniger erfolgreich. Der Kinosaal war schnell ausverkauft, nachdem Martin Wendel von der Badischen Zeitung über uns berichtet hatte. Die Menschen standen Schlange zur Kinokasse und wir hatten den Saal laut Veranstalter zwei Mal vollbekommen. Das Konzert wurde von parallel laufenden Videosequenzen begleitet, die unsere Freund Mario Kanzinger für uns zusammengeschnitten und am Abend auf die Leinwand projektiert hatte. Pink Floyd lassen grüßen.
Es ist völlig selbstredend, dass aus einem Album tatsächlich eines Tages auch ein Album werden sollte. Wir werden uns deshalb im Dezember 2026 im Studio eingraben, um unserer 16 Songs albumreif aufzunehmen.





